Verfassung
Hannover, 25. November 2015

Nachricht

Planungen zum Jubiläum

Der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, gab den Bericht des Landeskirchenamtes zum Reformationsjubiläum 2017 und dessen Vorbereitung in den Themenjahren 2015/16. Wichtig sei es, so de Vries, sich durch dieses Jubiläum auf die theologischen Kernthemen der Reformation zu konzentrieren und sie nicht eventmäßig zuzudecken. De Vries stellte heraus, dass die Reformatoren mit dem Thema „Freiheit“ ein biblisches Grundthema in den Mittelpunkt gerückt hätten. Sowohl das Judentum als auch das Christentum seien „Religionen der Freiheit“, wie es die Tradition vom Exodus im Alten Testament zeige oder die innere Freiheit, die durch die Bindung an Christus geschehe. Diese sei von Paulus im Neuen Testament beschrieben und charakterisiere Martin Luthers Theologie.

Die Reformation als Ganzes erwies sich, so de Vries, in dreifacher Hinsicht als eine Bewegung der Freiheit: In der Befreiung von klerikalen Hierarchien; für den einzelnen Menschen in der Befreiung des Gewissens, das aufgrund seiner inneren Bindung an Gottes Wort in geistlichen Dingen keinen externen Autoritäten mehr unterworfen sei. Und im politisch-sozialen Kontext führte die Reformation zu vielfachem Protest, der allerdings schon im 16. Jahrhundert umstritten war.

Der Geistliche Vizepräsident stellte fest, dass von der reformatorischen Wiederentdeckung der befreienden Kraft des Evangeliums Freiheitsimpulse ausgegangen seien, die unsere Gesellschaft bis heute prägten: „Im Begriff der Freiheit bündelt sich nicht nur das Selbstverständnis des Protestantismus als einer ,Kirche der Freiheitʻ, sondern auch das Selbstverständnis der modernen Welt und einer offenen Gesellschaft.“ Damit griff er das Thema der letzten EKD-Synode auf, dass der Beitrag des christlichen Glaubens für das Gemeinwesens unverzichtbar sei und die freie Ausübung der Religion als Menschenrecht die moderne Gesellschaft stärke. Die reformatorischen Kirchen sollten ihrer Vergangenheit gegenüber selbstkritisch sein. Dazu gehöre unbedingt, jeder Form von Judenfeindschaft zu widerstehen.

Das Reformationsjubiläum 2017 werde ökumenisch als Christus-Fest gefeiert. Dazu seien gemeinsame Schritte verabredet: Eine ökumenische Pilgerreise in Heilige Land und die bundesweite Feier von ökumenischen Gottesdiensten am Wochenende des Sonntags Reminiszere 2017. Dazu werde von der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz eine gemeinsame Liturgie erarbeitet. Der „Ökumenische Kanzeltausch“, der 2015 auf der Ebene der Bischöfe durchgeführt wurde, solle im kommenden Jahr weitergeführt werden auf der Ebene der Kirchenkreise und Dekanate, um dann im Jubiläumsjahr in den Gemeinden fortgesetzt zu werden.

Das Themenjahr 2015 „Reformation – Bild und Bibel zeigte, dass die Kirche von Künstlerinnen und Künstlern zunehmend als kompetente Projektpartner gesehen würden und dass die Kirchengemeinden sich zunehmend als kulturelle und kulturpolitische Akteure verstünden. Beispielhaft erwähnte der Geistliche Vizepräsident die Ausstellung reFORMation, die zur Zeit im Kestnermuseum in Hannover zu sehen ist. Zwölf Masterstudierende der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim haben eigene Anknüpfungspunkte in Vergangenheit und Gegenwart der Reformation gefunden und sie in eine neue Form gebracht.
Weiter stellte er die Ausstellung „Horizonte. Bilderwelten von Hermann Buß“ im Ostfriesischen Landesmuseum Emden und der Kulturkirche Martin-Luther Emden vor. Der Künstler Hermann Buß hat verschiedene Altäre der Landeskirche Hannovers und auch die Wandbilder in der Johanneskapelle in Loccum gestaltet. Buß sei kein religiöser Maler, aber seine Bilder ließen einen großen Deutungsraum für religiöse und christliche Interpretationen.

Zum Themenjahr 2016 „Reformation und die Eine Welt“ ist den Kirchengemeinden ein Brief zugegangen und auch die Broschüre „Reformation entdecken“. Im Jubiläumsjahr 2017 gestaltet die Landeskirche auf dem Europäischen Stationenweg in Wolfsburg und Osnabrück zwei Stationen zu den Themen „Beruf-Berufung-Leben“ und „Freiheit“. Die Landessynode wird in Osnabrück dabei zu Gast sein.

Bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg wird eine Präsentation und ein Erlebnisraum zum Thema „Taufe und Tauferinnerung“ gestaltet.
Im Januar 2017 wird in der TUI-Arena in Hannover das Pop-Oratorium Luther mit 1.600 oder 3.000 Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Landeskirche aufgeführt. Gemeinsam wird mit dem Land Niedersachsen und den Niedersächsischen Kirchen eine interaktive Karte der Reformationserinnerungen erstellt, die dann 2017 bereist werden kann.
Zu Beginn des Jubiläumsjahres wird die Revidierte Lutherbibel den Gemeinden überreicht. In ihr sei die Poesie der Sprache erhalten geblieben.
Der Geistliche Vizepräsident wünscht sich, dass die reformatorische Botschaft zum Ende des Reformationsjahres 2017 flächendeckend präsent ist: „Ich bin unverdient frei, frei von allem, was mich von Gott trennt – und ich habe unverdient frei, am 31.10.2017.“